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2025-11-19 · Redaktion Baduno · 7 blog.readMin · Blog & Wissen

In fünf Schritten zur ersten Terminologie-Datenbank

Wenn dasselbe Produkt in drei Texten vier Namen trägt, ist es Zeit für eine Termbase. Der pragmatische Einstieg ohne Software-Projekt.

Schritt 1–2: Sammeln und Sichten

Extrahieren Sie wiederkehrende Fachbegriffe aus Website, Katalog und Verträgen – eine simple Tabelle genügt. Markieren Sie Dubletten und Varianten: Schon diese Sichtung deckt die meisten Inkonsistenzen auf.

Fünf Messing-Registerreiter auf dunklem Buch

Schritt 3: Entscheiden

Je Begriff eine Vorzugsbenennung festlegen – und ebenso wichtig: verbotene Varianten dokumentieren. Diese Entscheidung gehört zu den Fachabteilungen, nicht zur Übersetzung; sie kennt die Wirkung beim Kunden.

Schritt 4: Übersetzen lassen

Erst jetzt kommen Sprachen dazu: je Zielsprache eine verbindliche Entsprechung, geprüft von Muttersprachlern mit Fachbezug. Zwanzig Kernbegriffe sauber übersetzt schlagen zweihundert ungeprüfte.

Schritt 5: Durchsetzen

Eine Termbase wirkt nur, wenn sie im Arbeitsfluss steckt: als Prüfliste im Lektorat, als Vorgabe in der Übersetzungs-Pipeline, als Anhang in jedem Dienstleister-Briefing. Pflegen Sie sie wie Ihr Preisverzeichnis – sie ist genauso geschäftskritisch.

Schritt 6: Terminologiepflege institutionalisieren

Legen Sie fest, wer Änderungen vorschlagen darf und wer sie freigibt. Bewährt hat sich ein dreistufiges Modell: Jeder Mitarbeiter kann Einträge vorschlagen, ein Redakteur prüft formal, ein Fachexperte entscheidet fachlich. Dokumentieren Sie das Datum jeder Änderung und führen Sie ein Änderungsprotokoll. Planen Sie vierteljährliche Reviews der häufigsten Fehlerquellen: Auswertungen aus Lektoraten zeigen, wo die Termbank Lücken hat oder veraltet ist. Ohne regelmäßige Pflege verwildert jede Terminologie in 18 Monaten – Beispiel: Ein Hersteller von Industriekomponenten hatte 2020 „Führungsschiene“ festgelegt, aber 2023 verwendeten drei Abteilungen parallel „Laufschiene“ und „Profilführung“. Die Überprüfung dauerte vier Stunden, die Korrektur in acht Sprachen zwei Tage. Institutionalisieren Sie die Pflege als festen Bestandteil Ihres Qualitätsmanagements, nicht als Aktion nach Projektende.

Schritt 7: Terminologie in Ihr Übersetzungssystem einbinden

Die beste Termbase nützt nichts, wenn Ihre Übersetzer sie manuell durchblättern müssen. Integrieren Sie die Terminologie in Ihr Translation-Management-System (TMS) oder Computer-Aided-Translation-Tool (CAT). Moderne Systeme zeigen beim Tippen automatisch die Vorzugsbenennung an und markieren Abweichungen farbig. Hierfür exportieren Sie Ihre Tabelle als TBX (TermBase eXchange) – das ist der ISO-Standard für Terminologiedaten. Die Importroutine prüft die Daten automatisch auf doppelte Einträge. Beispiel: Ein mittelständischer Maschinenbauer hat 500 Begriffe in sechs Sprachen über eine TBX-Datei in sein TMS geladen. Die Konsistenz seiner Bedienungsanleitungen stieg von 68 % auf 94 % innerhalb eines Quartals. Planen Sie den Aufwand für die Integration realistisch ein: Ein IT-Test mit drei Begriffen und einer Sprache dauert einen halben Tag; der vollständige Roll-out über alle Zielsprachen zwei bis drei Tage.

Schritt 8: Kennzahlen für Terminologiequalität definieren

Messen Sie, ob Ihre Terminologiearbeit Wirkung zeigt. Drei praxisbewährte Kennzahlen sind: Terminologiekonsistenz (Anteil korrekt verwendeter Vorzugsbenennungen pro Dokument), Terminologieabdeckung (Anteil der terminierten Begriffe am Gesamtvokabular) und Fehlerwiederholungsrate (Anteil bereits protokollierter Fehler, die erneut auftauchen). Messen Sie monatlich und stellen Sie die Werte den Produktbereichen transparent zur Verfügung. Ein Unternehmen der Medizintechnik hat nach Einführung dieser Kennzahlen die Konsistenz von 72 % auf 95 % gesteigert, indem es die drei häufigsten Verstöße in den Redaktionsleitfaden aufnahm. Wichtig: Verknüpfen Sie Kennzahlen nie mit Sanktionen, sondern mit Verbesserungsvorschlägen. Eine hohe Fehlerwiederholungsrate zeigt meist, dass die Terminologie nicht im Arbeitsfluss auffindbar ist – dann ist die Integration Schritt 7 zu schwach.

Wenn dasselbe Produkt in drei Texten vier Namen trägt, ist es Zeit für eine Termbase. Der pragmatische Einstieg ohne Software-Projekt.

Schritt 9: Terminologie als Teil der Content-Strategie verankern

Terminologie darf nicht isoliert im Übersetzungsprozess leben. Binden Sie sie früh in die Content-Erstellung ein: Redakteure sollten beim Schreiben auf die Termbase zugreifen, nicht erst die Übersetzer. Ideal ist ein zentrales Glossar im Content-Management-System (CMS), das beim Erstellen neuer Seiten automatisch die korrekte Benennung vorschlägt. Ein Hersteller von Solarmodulen hat sein deutschsprachiges Redaktionsteam verpflichtet, jeden neuen Begriff vor der Veröffentlichung von der Technik redaktion prüfen zu lassen. Ergebnis: Die Anzahl der nachträglichen Korrekturen in den Übersetzungen sank um 60 %. Planen Sie auch die Abschaltung von Produktnamen ein: Wenn Sie ein Produkt einstellen, archivieren Sie die Einträge, löschen Sie sie nicht – sonst fehlen historische Referenzen in alten Dokumenten. Verantworten Sie die Terminologie als strategisches Asset, nicht als lästige Fleißaufgabe.

Terminologie in agilen Content-Workflows

In agilen Entwicklungsprozessen entsteht Content iterativ und häufig dezentral. Hier bewährt sich ein leichtgewichtiger Terminologieprozess, der nicht auf Vollständigkeit, sondern auf Geschwindigkeit setzt. Statt einer großen Termbase definieren Sie zu Sprintbeginn die fünf bis zehn wichtigsten Begriffe des aktuellen Features und legen sie im gemeinsamen Team-Glossar fest. Diese Liste wächst mit jedem Sprint und wird am Quartalsende in die Haupttermbase überführt. Achten Sie darauf, dass die terminologische Entscheidung nicht am Entwickler oder Texter hängen bleibt: Der Product Owner oder ein benannter Fachexperte gibt die Vorzugsbenennung vor. Integrieren Sie die Termprüfung in die Definition of Done: Jeder User Story ist ein kurzer Terminologie-Check vorgeschaltet, bevor sie in Übersetzung geht. Ein Softwarehersteller hat mit dieser Methode die Anzahl terminologischer Nachbesserungen um über 40 Prozent reduziert, ohne den agilen Fluss zu bremsen. Der Schlüssel liegt in der Reduktion auf das Wesentliche und der klaren Verantwortung pro Sprint. Vermeiden Sie es, alle Begriffe auf einmal zu terminieren – das blockiert die Content-Produktion.

Wirtschaftlichkeit der Terminologiearbeit

Terminologiearbeit verursacht Kosten, bevor sie Nutzen stiftet. Planen Sie daher eine realistische Kosten-Nutzen-Rechnung, die Aufwände für Sammlung, Entscheidung, Pflege und Integration den Einsparungen gegenüberstellt. Die Hauptnutzen sind: reduzierte Übersetzungskosten durch weniger Nachbearbeitung, schnellere Markteinführung durch konsistente Dokumente und geringeres Haftungsrisiko durch eindeutige Produktbezeichnungen. Ein Maschinenbauer hat ermittelt, dass 20 Stunden initiale Terminologiearbeit in sechs Monaten 120 Stunden Lektoratszeit eingespart haben. Rechnen Sie konservativ: Gehen Sie von einer Einsparung von 10 bis 15 Prozent der Übersetzungskosten aus, wenn Sie eine Termbase mit 100 bis 200 Begriffen in fünf Sprachen pflegen. Wichtig: Dokumentieren Sie die Einsparungen nachvollziehbar, indem Sie vor und nach Einführung der Terminologie die Zeit für Korrekturschleifen messen. So schaffen Sie Argumente für das Budget der nächsten Pflegerunde. Beachten Sie auch die Opportunitätskosten: Ein inkonsistentes Produkt verunsichert Kunden und bindet Support-Ressourcen. Die Terminologie ist kein reiner Kostenfaktor, sondern eine Investition, die sich bei sachgemäßer Pflege innerhalb eines Jahres amortisiert.

Terminologie und Rechtssicherheit: Haftungsrisiken minimieren

In regulierten Branchen wie Medizintechnik, Pharmazie oder Maschinenbau ist konsistente Terminologie nicht nur eine Frage der Qualität, sondern der Rechtskonformität. Ein falsch übersetzter Sicherheitshinweis oder eine inkonsistente Produktbezeichnung in der Gebrauchsanweisung kann zu Produkthaftungsfällen führen. Die EU-Produkthaftungsrichtlinie und die Maschinenverordnung verlangen eindeutige, nachvollziehbare Begriffe in allen Sprachen. Eine Terminologie-Datenbank schafft hier Abhilfe, indem sie verbindliche Benennungen festlegt und abweichende Varianten ausschließt. Gehen Sie dabei systematisch vor: Hinterlegen Sie zu jedem Begriff die jeweilige Rechtsgrundlage (z. B. ISO-Norm, EU-Richtlinie) als Metadatum. So kann Ihr Übersetzer die regulatorische Verbindlichkeit sofort erkennen. Beispiel: Ein Hersteller von Insulinpumpen hat die Begriffe „Dosierung“ vs. „Dosis“ rechtlich definiert und in die Termbase aufgenommen. Nach einem Produktfehler konnte das Unternehmen nachweisen, dass die Übersetzung exakt der normativen Vorgabe entsprach – der Haftungsfall wurde abgewendet. Pflegen Sie zusätzlich ein Änderungsprotokoll mit Datum und Freigebenden, um im Streitfall die Historie lückenlos darzulegen. Denken Sie auch an Archivierung: Alte Produktbezeichnungen bleiben in der Termbase erhalten, damit Altverträge rechtssicher referenziert werden können. Eine termbasierte Rechtsdokumentation ist kein Overhead, sondern eine Investition in Ihre Rechtsposition.

Terminologie für mehrsprachiges SEO: hreflang und Keyword-Konsistenz

Für internationale Websites ist terminologische Konsistenz ein entscheidender SEO-Faktor. Suchmaschinen werten aus, ob Titel, Beschreibungen und Überschriften in allen Sprachversionen aufeinander abgestimmt sind. Eine zentrale Termbase stellt sicher, dass beispielsweise für „Produktkonfigurator“ in allen Zielsprachen dieselbe Wortwahl verwendet wird – andernfalls verwirren Sie Crawler und Nutzer. Noch wichtiger ist die Verbindung mit hreflang-Tags: Diese teilen Google mit, welche Sprachversion für welchen Markt relevant ist. Stimmen die Begriffe aber nicht überein, leidet die Nutzererfahrung und die Absprungrate steigt. Definieren Sie deshalb für jede Produktfamilie einen kanonischen Begriff je Sprache und hinterlegen Sie ihn in Ihrem CMS. Ein Anbieter von Cloud-Software hat beispielsweise „Dashboard“ in fünf Sprachen vereinheitlicht und parallel dazu die hreflang-Implementierung optimiert. Die Folge: Die Klickrate aus der organischen Suche stieg um 15 Prozent, messbar ohne Garantieeinschränkung. Integrieren Sie Ihre Termbase in das SEO-Review: Lassen Sie vor dem Launch neuer Landingpages die Zielseiten von einem Muttersprachler mit SEO-Kenntnissen auf terminologische Passgenauigkeit prüfen. Dokumentieren Sie dabei auch regionale Varianten (z. B. „Handy“ vs. „Mobiltelefon“) und hinterlegen Sie diese als regionale Präferenz in Ihrer Termbase. Vermeiden Sie so doppelte Rankings für denselben Begriff in derselben Sprache.

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Kann ich eine Terminologie-Datenbank ohne spezielle Software verwalten?

Ja, für den Einstieg reicht eine einfache Tabellenkalkulation in Excel oder Google Sheets. Spalten: Begriff, Vorzugsbenennung, verbotene Varianten, Definition, Quelle, Status, letzte Änderung. Wichtig ist, dass Sie die Tabelle regelmäßig pflegen und alle Beteiligten eine verbindliche Version nutzen. Sobald die Anzahl der Begriffe oder Sprachen wächst, empfiehlt sich ein Umstieg auf ein spezialisiertes Terminologie-Tool mit TBX-Export.

Wie oft sollte ich meine Terminologie überprüfen und aktualisieren?

Mindestens einmal pro Quartal sollten Sie die häufigsten Fehler aus Ihren Lektoraten auswerten und die Termbase ergänzen. Neue Produkte oder gesetzliche Änderungen erfordern sofortige Updates. Führen Sie zudem einen jährlichen Review aller Einträge durch, um veraltete Begriffe zu archiveren oder zu korrigieren. Eine gut gepflegte Terminologie entwickelt sich mit Ihren Produkten und Märkten – sonst verliert sie ihren Wert.

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